Crowdinvesting, Crowdlending & Co. – Die Geldanlage der Zukunft?

In Zeiten von Wirtschaftskrise, Niedrigzinsen, BREXIT und Ära Trump fürchten viele deutsche Anleger um ihr Vermögen. Kein Wunder also, dass sich das Vertrauen deutscher Bankkunden auf dem Tiefpunkt befindet. Der zunehmende Abbau von Filialen und Niedrigzinsen für Anlagen wirken sich zudem negativ auf die Zufriedenheit der Kunden aus. Erst kürzlich gab die Europäische Zentralbank bekannt, dass der Leitzins auf null Prozent belassen wird, wodurch sich kein Ende der Niedrigzinsphase erkennen lässt. Vor dieser negativen Prognose sehen sich deshalb viele Anleger nach attraktiveren Spar- und Anlagemethoden um. Doch was ist die Alternative? Rohstoffe, Devisen, Aktien, Immobilien?

Wirft man einen Blick über den Tellerrand hinaus, zeigt sich, dass vor allem die Investition in Unternehmen stark an Beliebtheit gewonnen hat. Fernsehsendungen wie “Shark Tank” oder das deutsche Pendant “Die Höhle der Löwen” zeigen, wie erfolgreiche Unternehmer junge Wachstumsunternehmen (Startups) finanziell unterstützen, um von deren Erfolg zu profitieren. Aber inwiefern kann man als Kleinanleger von der Investition in junge Unternehmen profitieren? Das Zauberwort lautet “Crowdinvesting“.

Was ist Crowdinvesting?

Oftmals wird der Crowdinvesting-Begriff mit Crowdfunding gleichgesetzt bzw. verwechselt. Im Grunde genommen handelt es sich dabei jedoch um zwei verschiedene Arten der Schwarmfinanzierung. So lässt sich Crowdfinancing in die drei Unterkategorien Crowdfunding, Crowdlending und Crowdinvesting unterteilen.

Crowdfinancing Unterteilung

Crowdfunding bezeichnet die direkte Investition in Geschäftsideen oder Produkte. Investoren beteiligen sich nicht aus finanziellen, sondern aus ideellen oder sozialen Motiven. Eine CF-Investition hat deshalb einen Spendencharakter. Als Gegenleistung für das eingebrachte Kapital erhalten Crowdfunder verschiedene nicht monetäre, oftmals sogar immaterielle Gegenleistungen mit oftmals symbolischem Belohnungscharakter. Im angloamerikanischen Raum hat sich deshalb für Crowdfunding i.e.S. auch der Begriff des „reward based crowdfunding“ etabliert. Oftmals kann jedoch auch das unterstützte Produkt selbst die Gegenleistung für ein Engagement seitens der Investoren sein. Die Höhe der Belohnung richtet sich dabei nach der Summe der Unterstützung.

Bei Crowdlending („lending based crowdfunding“) handelt es sich im eigentlichen Sinne um über Internetplattformen vermittelte Mikrokredite in Form von Fremdkapital. Diese umfassen Summen von wenigen hundert bis zu einigen tausend Euro. Allgemein wird zwischen Peer-to-Peer-Lending, der Vergabe von Krediten an Privatpersonen und Peer-to-Business-Lending, der Vergabe an Unternehmen bzw. Unternehmer selbst, differenziert. In Deutschland wird Crowdlending vornehmlich im privaten Bereich genutzt und weniger zur Finanzierung von Unternehmen. Kreditgeber erhalten im Gegenzug eine Zinszahlung im einstelligen Prozentbereich (i.d.R. zwischen 4 und 7 Prozent). Die Laufzeit beläuft sich auf wenige Jahre – häufig weniger als 2 Jahre.

Crowdinvesting als weiterer Teilaspekt des Crowdfinancing fokussiert sich im Unterschied zu Crowdfunding auf die generelle Unterstützung von Unternehmen und Projekten statt Produkten. Als mögliche Ausprägungen unterstützter Projekte sind hier wachstumsorientierte Startups, Immobilien, aber auch Ökologie- oder soziale Projekte zu nennen. Hauptmotiv der Investoren bei der Unterstützung interessanter Konzepte ist vor allem der Aspekt der Renditeorientierung. Kapitalgebern wird es ermöglicht, sich mit kleinen Beträgen (s. unten) in Form von Eigenkapital an einem Unternehmen zu beteiligen. Aufgrund des Erwerbs von Anteilen wird auch von „equity based crowdfunding“ gesprochen. Die Renditemöglichkeiten sind je nach Vertragsgestaltung unterschiedlich, umfassen meist jedoch entweder Zinszahlungen oder Beteiligungen am Unternehmenswert bzw. eine Kombination dieser. Analog zum Crowdfunding und -lending erfolgt auch Crowdinvesting über verschiedene spezialisierte Plattformen, die mitunter eigene Schwerpunkte haben. Wichtige Eckpunkte der Online-Unternehmensvorstellung der Konzepte sind Angaben über Projektziele, den finanziellen Rahmen, dessen Laufzeit und Vergütung bzw. Gegenleistungen. Wie auch beim Crowdfunding ergibt sich für die Projekte dadurch ein zusätzlicher Werbeeffekt. Die Unterstützung erfolgt dabei meist in Form von (partiarischen) Nachrangdarlehen ohne Nachschusspflicht. Die Vertragslaufzeit ist dabei unbefristet, im Regelfall kann eine Kündigung seitens der Investoren nach 3 bis 8 Jahren erfolgen. Startups können den Vertrag meist erst später kündigen. Aus Anlegersicht sind diese längeren Laufzeiten zu begrüßen, da viele Unternehmen in den ersten Jahren meist unwirtschaftlich agieren und erst im späteren Unternehmensverlauf Gewinne erzielt werden, von denen letztlich auch der Anleger profitiert. Bei Investitionen in Immobilien fällt die Vertragslaufzeit hingegen kürzer aus, so beträgt diese durchschnittlich 1 bis 3 Jahre.

Chancen & Risiken der Schwarmfinanzierung

Unabhängig von der Form der Unterstützung sind Investitionen mit einem hohen Risiko verbunden. Crowdinvestment-Beteiligungen sind meist nachrangig. Das bedeutet, dass die Forderungen der Crowd nachrangig nach den Forderungen anderer Gläubiger bedient werden. Sollte es zur Insolvenz der Unternehmung kommen, gehen die Crowdinvestoren leer aus, wenn keine Vermögensgegenstände mehr verfügbar sind.

Im Gegenzug bieten Crowdinvesting-Möglichkeiten oftmals aber auch sehr hohe Renditechancen. Vor allem die Unterstützung junger Unternehmen ist dabei äußerst riskant, da nur bedingt Prognosen zur Markt- und somit zur Wertentwicklung dieser Unternehmen getätigt werden kann. Risikofreudige Investoren können im Gegenzug jedoch oftmals ein Vielfaches des ursprünglich eingesetzten Geldes erwirtschaften.

Bei der Unterstützung von Startups oder Immobilien zeigt sich zudem eine hohe Transparenz. So können Finanzdaten eingesehen werden, während Plattformen gleichzeitig die Kommunikation mit den Projektinitiatoren ermöglichen. Bei Immobilien-Investments weiß der Anleger beim genau in welcher Immobilie sein Geld steckt – im Gegensatz zu den meisten Immobilienfonds. Dadurch haben Crowdinvestoren die Möglichkeit den Fortschritt ihres Projekts direkt zu verfolgen.

Treibende Kräfte der Schwarmfinanzierung

Eine Expertenbefragung der Universität St. Gallen prognostiziert dem deutschen Crowdfinancing-Markt ein rasantes Wachstum, was in einer Investitionssumme von 500 Millionen Euro im Jahr 2020 mündet. Dabei gibt es einige Faktoren, die den Boom und die zukünftige des Crowdinvesting-Marktes positiv beeinflussen. Hierbei ist vor allem die zunehmende Professionalisierung des Marktes zu nennen. Unseriöse Anbieter sind dabei so schnell vom Markt verschwunden, wie sie ihn einst betreten haben. Aber auch hinsichtlich der Regulatorik und Gesetzgebung hat sich in den letzten Jahren einiges getan. So gebietet der Verbraucherschutz, dass Investoren hinreichend über Risiken aufgeklärt werden und welche bisherige Erfahrungen mit Risikokapitalanlagen gemacht wurden.

In der Summe ergeben sich für das Jahr 2016 folgende Zahlen:

44

Startup-Projekte realisiert

1.500

neue Wohneinheiten gebaut

52.000

Tonnen CO2 jährlich eingespart

 Σ 2011 - 2017Projekte 2011 - 2017
Startups70.599.104236
Immobilien88.262.79492
Energie15.839.250106

Betrachtet man die gesammlten Kapitalvolumina, so zeigt sich einerseits, dass Crowdinvesting für Startups bisher mit höheren Ausfällen zu kämpfen hat. So fällt rund jedes zehnte Investment aus. Andererseits wird gleichzeitig ersichtlich, dass vor allem die finanzielle Unterstützung von Immobilien stark an Beliebtheit gewonnen hat. So wurde im Jahr 2016 mit 40,3 Mio. Euro der Großteil der insgesamt 67,6 Mio. Euro und somit mehr als in allen Jahren zuvor insgesamt investiert, was einem Wachstum von 92,5 Prozent entspricht. Startup-Investments machen zwar mit einer Gesamtsumme von 71,4 Mio. Euro nach wie vor den Löwenanteil aus, können im Vergleich zum Vorjahr nur ein Wachstum von 0,4 Prozent aufweisen.

Das größte derzeitige und zukünftig prognostizierte Kapitalvolumen nimmt Crowdlending ein. So wurden im Jahr 2015 136 Mio. Euro an Konsumentenkrediten und 48,7 Mio. Euro an Unternehmen vergeben. Im Jahr 2016 stieg diese Zahl auf 76,7 Mio. Euro an. Bis zum Jahr 2021 soll der Gesamtbetrag auf über 4 Mrd. Euro anwachsen, was teilweise dreistellige Zuwachsraten bedeutet.

Eine aktuelle Studie der Universität Cambridge in Kooperation mit EY bestätigt, dass der alternative Finanzierungsmarkt in Europa allein im Jahr 2015 um 144 % – von 1,2 Mrd. Euro auf fast 2,9 Mrd. Euro wuchs. Neben Großbritannien und Frankreich stellt Deutschland mit 140 Mio. Euro den drittgrößten Online-Markt für alternative Finanzierungen in Europa dar.

Aufgrund der Neuartigkeit der Schwarmfinanzierung muss dabei jedoch darauf hingewiesen werden, dass die langfristige Entwicklung sowohl bei der Unterstützung von Unternehmen, Privatpersonen, Immobilien oder anderen Projekten beobachtet werden muss, um weitere Erfahrungswerte zu sammeln.

Worauf sollte man bei der Investition achten?

Bei der Wahl des Investments gilt es diverse Faktoren zu beachten. Vorteil ist, dass Unternehmen und Projekte ihre Finanzplanung samt bisheriger Bilanzen veröffentlichen, wodurch sich potenzielle Anleger einen Überblick über die Erfolgschancen verschaffen können. Hierbei gilt es als Investor rational zu denken und sich nicht von unrealistischen Wertentwicklungen und Gewinnversprechen blenden zu lassen. Bei Immobilien-Investments können die bisher verwirklichten Projekte des Projektentwicklers, dessen Erfahrungen und Qualifikationen, Mietauslastung und Baufortschritt Indikatoren für den Erfolg angesehen werden.

Im Vergleich zur Investition in Startups gelten Immobilien-Investments als sicherere Geldanlage. Diese haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie eine wertstabile Anlage sind. Auch die Gefahr einer geplatzten Immobilienblase wie sie in den USA stattfand ist in Deutschland aufgrund besserer Regulatorien nicht gegeben.

Letztlich gilt es für Anleger zwischen Risiko und Rendite abzuwägen, während Startups hohe Renditechancen haben, zeigten sich Immobilien in der Vergangenheit bereits als Möglichkeit zur Erzielung moderater Rendite. Grüne Energie-Projekte hingegen sind zukunftsgerichtet und innovativ, wodurch sich ihr Potenzial nur schwer abschätzen lässt.

Anleger sollten folglich eine Portfoliodiversifikation betreiben und projekt-, aber auch plattformübergreifend investieren, um maximale Rendite bei gleichzeitig begrenztem Risiko zu erzielen. Zudem sollten nur Geldbeträge investiert werden, die in näherer Zukunft nicht als liquide Mittel benötigt bzw. im Falle eines Verlustes zurückerwartet werden.

Plattformen im Überblick

Crowdinvesting  für Immobilien

PlattformGründungStandortMindestsummeBeteiligungPortal
Bergfürst2011Berlin10 €Feste VerzinsungInfo
Exporo2014Hamburg500 €Feste VerzinsungInfo
Home Rocket2015Grünwald u. Graz250 €Feste VerzinsungInfo
iFunded2015Berlin250 €Feste VerzinsungInfo
IMMOFUNDING2015Frankfurt am Main u. Wien500 €Feste VerzinsungInfo
ReaCapital2016Hamburg250 €Feste VerzinsungInfo
Today Capital2016Köln500 €Feste VerzinsungInfo
Zinsbaustein2016Berlin500 €Feste VerzinsungInfo
Zinsland2015Hamburg500 €Feste VerzinsungInfo

Crowdinvesting für Startups und KMU

PlattformGründungStandortMindestsummeBeteiligungPortal
aescuvest2014Frankfurt am Main50 €Feste Verzinsung, prozentuale Beteiligung am Unternehmenswert, EXIT-BonusInfo
Companisto2012Berlin5 €Feste Verzinsung, prozentuale Beteiligung am Gewinn und bei ExitInfo
CONDA2013München u. Wien100 €Feste und variable Verzinsung, Beteiligung am UnternehmenswertInfo
Deutsche Mikroinvest2012Pulheim250 €Feste und gewinnabhängige VerzinsungInfo
FunderNation2014Bensheim-Auerbach100 €Co-Investment mit Business AngelsInfo
medifundo2016München250 €Feste Verzinsung und GewinnbeteiligungInfo
Geldwerk12015Dortmund100 €Feste VerzinsungInfo
Innovestment2011Berlin250 €Feste VerzinsungInfo
kapilendo venture2016Berlin100 €Feste VerzinsungInfo
Katrim2008München250 €Feste VerzinsungInfo
Seedmatch2011Dresden250 €Feste VerzinsungInfo
Seedrs2012London10 £UnternehmensanteileInfo
transvendo2016München250 €Feste VerzinsungInfo
Unternehmerich2015Starnberg250 €Feste VerzinsungInfo

Crowdinvesting für Ökologie (Energieeffizienz, erneuerbare Energien)

PlattformGründungStandortMindestsummeBeteiligungPortal
bettervest2012Frankfurt am Main50 €Feste VerzinsungInfo
econeers2013Dresden250 €Feste Verzinsung, variable BeteiligungsboniInfo
green money2014Neu-Ulm500 €Feste VerzinsungInfo
GreenVesting2009Usingen250 €Feste VerzinsungInfo
Green Rocket2015Grünwald u. Graz250 €Feste VerzinsungInfo
Leih Deiner Umwelt Geld2013Mainz100 €Feste VerzinsungInfo

Crowdinvesting für soziale Projekte

PlattformGründungStandortMindestsummeBeteiligungPortal
ZinsCrowd2016Lübeck100 €Feste VerzinsungInfo

Crowdlending (P2P und P2B)

PlattformGründungStandortMindestsummeBeteiligungPortal
auxmoney2007Düsseldorf25 €Feste VerzinsungInfo
CrossLend2015Berlin25 €Feste VerzinsungInfo
Funding Circle2010Berlin100 €Feste VerzinsungInfo
GIROMATCH2016Frankfurt am Main200 €Feste VerzinsungInfo
kapilendo Credit2016Berlin100 €Feste VerzinsungInfo
Lendico2013BerlinPrivatkredite: 25 €, Unternehmenskredite: 100 €Feste VerzinsungInfo
Lendico2005Berlin250 €Feste VerzinsungInfo
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Crowdinvesting, Crowdlending & Co. - Die Geldanlage der Zukunft?
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Beschreibung
Eignet sich Crowdinvesting als Geldanlage in Zeiten von Niedrigzinsen und Co.? Dieser Beitrag stellt die Anlagemethode und bekannte Plattformen genauer vor!
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Von | 2017-03-18T11:33:51+00:00 28. Februar 2017|Crowdinvesting, Crowdlending, Finanzen|

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