Crowdinvesting: Gehört die Zukunft den Immobilien?

Das wirtschaftliche Umfeld weltweit ist so volatil wie schon lange nicht mehr. Finanz- und Wirtschaftskrisen, der geplante Brexit und letztlich die Wahl Donald Trumps als neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten wirken sich auch auf den deutschen Finanzmarkt aus. Vor allem das erst kürzlich von der Europäischen Zentralbank längerfristig forcierte Nullzins-Umfeld und das auf einen neuen Tiefpunkt gesunkene Vertrauen in deutsche Banken bedingen ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung bezüglich neuer, gewinnbringender Anlagemethoden.

Immobilien haben sich dabei bereits als Geldanlage in Zeiten von Inflation und Co. bewährt. Dennoch zögern nach wie vor viele Menschen aus Gründen der Unsicherheit oder Risikoaversion. Diverse Crowdinvesting-Plattformen setzen an diesem Punkt an und ermögliche potenziellen Anlegern die Kapitalanlage mit überschaubarem Kapitaleinsatz bei relativ begrenztem Risiko. Zudem wird eine Rendite von bis zu 7 Prozent bei einer Mindestinvestition von wenigen hundert Euro versprochen. Obwohl sich diese Finanzierungsart in den letzten Jahren vor allem als Finanzierungsform für junge Startups etabliert hat, zeigt sich insbesondere in den letzten zwei Jahren ein Wandel hin zur finanziellen Unterstützung von Immobilienprojekten. So wurden in den letzten fünf Jahren 71 Mio. Euro in Startups investiert, während Immobilien-Investments ein Volumen von 68 Mio. Euro erzielt haben. Beachtenswert ist dabei vor allem, dass allein im Jahr 2016 40 Mio. Euro von dieser Summe investiert wurden, während lediglich 19 Mio. Euro in junge Unternehmen flossen. Immobilien-Investings konnten dabei ein Wachstum von 92,5 Prozent verzeichnen, während Startup-Investments lediglich um 0,4 Prozent zunahmen.

Crowdinvesting Kapitalvolumen

Was spricht für Immobilien statt Startups?

Die Investition in Startups verspricht eine hohe Rendite, der jedoch auch eine ebenso hohe Ausfallquote gegenübersteht. Rund 10 Prozent der Investitionen in junge Wachstumsunternehmen sind dabei bereits ausgefallen. Vor allem die Natur junger Unternehmen bedingt dabei ein hohes Risiko. So können kaum Prognosen zur positiven Entwicklung von Startups getroffen werden, da sie in einem volatilen und komplexen Wettbewerbsumfeld agieren. Immobilien-Investments weisen ein geringeres Risiko auf, da sie sich preisstabil entwickeln. Betrachtet man die Preisentwicklung von Wohnimmobilien bzw. betrieblichen Bürogebäuden in Deutschland, so zeigt sich ein positiver Trend aus Anlegersicht.

Preisindex für Immobilien in Deutschland

Zwar befürchten einige Menschen aufgrund dieser stetig ansteigenden Kurve eine platzende Immobilienblase wie 2007 in den Vereinigten Staaten. Diese Gefahr ist in Deutschland jedoch nicht gegeben. So sind in Deutschland Wohnungen zwar 25 Prozent teurer als noch im Jahr 1995. In Städten wie London und Oslo sind Wohnungen heute jedoch fast viermal so teuer wie damals. Ebenso gibt es in Deutschland andere Gesetze und Regulierungsorgane, die eine etwaige Blase von vornherein verhindern.

Ein weiterer Unterschied zwischen der finanziellen Unterstützung von Unternehmen und Immobilien ist die Laufzeit. Startup-Investments sind meist auf rund acht Jahre oder mehr ausgelegt, um Verluste aus den ersten Jahren zu amortisieren. Immobilien-investments sind hingegen eher kurzfristig auf ein bis drei Jahre ausgelegt. Anleger können somit schneller wieder über ihr Kapital verfügen und ggf. reinvestieren und so indirekt vom Zinseszinseffekt profitieren.

Worauf sollte man bei einem Investment achten?

Um Restrisiken zu minimieren und das Maximum aus seiner Geldanlage zu holen, gilt es diverse Faktoren zu beachten.

1) Die Immobilie selbst

Verschiedene Immobilienarten gehen mit unterschiedlichen Risiken einher. Bestandsimmobilien weisen meist ein eher geringes Risiko auf, sofern kein größerer Instandhaltungsbedarf besteht. Aus Investorensicht sollte deshalb das Baujahr ein wichtiges Kriterium sein. Ist eine Immobilie älter und muss gegebenenfalls sogar kernsaniert werden, besteht ein deutlich höheres Risiko. Aber auch Neubauprojekte bergen viele Gefahren. So kann es zu Verzögerungen im Genehmigungsverfahren, bei der Fertigstellung oder im Abverkauf der einzelnen Wohn- oder Gewerbeeinheiten kommen. Anleger sollten deshalb diese Faktoren beachten und inwiefern sie schon umgesetzt wurden. Nur so können sie abschätzen welche Genehmigungs- und Finanzierungsrisiken auftreten könnten.

Neben dem Alter der Immobilie kann der Standort ein entscheidender Faktor sein. Vor allem Immobilien in Metropolregionen wie Berlin, Frankfurt oder München werden auch zukünftig gefragt sein.

2) Erfahrung des Projektentwicklers

Obwohl die meisten Plattformen bereits eine genaue Vorauswahl der Projektpartner treffen, sollten Anleger die Projektpartner stets genauer analysieren. Hierbei kann vor allem die Erfahrung und langes Bestehen am Markt als wichtiges Kriterium angesehen werden. Bereits umgesetzte Projekte können dabei als Referenz dienen. Etablierte Unternehmen verfügen über mehr Expertise, ein breiteres Netzwerk und können etwaige Probleme schneller lösen als unerfahrene Partner.

3) Fehlende Aussagekraft der Unterlagen

Viele Plattform stellen potenziellen Investoren nur ungenügend oder nichtssagendes Infomaterial mit einem geringen Umfang zur Verfügung. Potenzielle sollten bei ihrer Suche deshalb Wert darauflegen, dass Unterlagen fundiert, aussagekräftig und leicht nachvollziehbar sind. Dazu gehört eine plausible Kalkulation und Planung. Anleger müssen sich ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen machen können. Dabei sollten sie sich nicht von subjektiven Gefühlen leiten lassen, sondern objektive Fakten beherzigen.

4) Realistische Renditeerwartungen

Immobilien sind ein Risikoinvestment – das sollte sich jeder Anleger ins Gedächtnis rufen. Im schlimmsten Fall droht der Verlust des investieren Kapitals, falls ein Immobilienprojekt scheitert. Im schlimmsten Fall muss die Projektgesellschaft Insolvenz anmelden und das nachrangige Anlegergeld ist dann oft ganz oder teilweise verloren. Anleger sollten deshalb nur Geld anlegen, dessen Verlust sie sich erlauben können.

Um das Risiko zu senken empfiehlt es sich daher, das eingesetzte Kapital zu diversifizieren und über verschiedene Projekte gleichmäßig zu verteilen und als Erweiterung zu einem bestehenden Investmentportfolio zu nutzen.

Beachtet man all diese Faktoren, so steht einem gewinnbringenden Investment nichts mehr im Wege. Weitere Informationen zum Thema Immobilien-Crowdinvesting, sowie eine Checkliste, um Projekte genauer zu bewerten, gibt es im Leitfaden Immobilien-Crowdinvesting.

Von | 2017-03-28T10:06:46+00:00 28. März 2017|Crowdinvesting|

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