Startup-Finanzierung: Verschiedene Modelle im Überblick

Bei der Gründung eines Startups gibt es diverse Erfolgsfaktoren. Eine davon ist die richtige Finanzierung, um die Liquidität der eigenen Unternehmen zu sichern. Viele aufstrebende Startups mit erfolgsversprechendem Erfolgsmodell, ambitionierten Gründern und einem hohen Marktpotenzial sind schon über diese Hürde gestolpert und vom Markt verschwunden. Dieser Beitrag liefert einen Anhaltspunkt darüber, welche Finanzierungsphasen anfallen und welche Möglichkeiten es zur Finanzierung für junge Unternehmen gibt – inklusive ihrer Vor- und Nachteile.

Die ersten vier Finanzierungsphasen

Vor allem im Anfangszeitraum der Startup-Gründung nehmen die Finanzierungsrunden eine wichtige Rolle ein. Ohne Investition ist es selbst dem ambitioniertesten Unternehmen unmöglich seine Ideen in die Realität umzusetzen. Die Phasen der Finanzierung unterscheiden sich dabei anhand des Unternehmensalters und des eingegangen Risikos. Deshalb gibt es auch verschiedene Abstufungen hinsichtlich dessen, wie attraktiv die Investitionsmöglichkeit seitens potenzieller Investoren ist – aber auch hinsichtlich der Art Investition. Abgesehen von rein monetären Zuschüssen ergeben sich Chancen in Form von Wissenstransfer, Zugang zu Netzwerken, materiellen Gütern uvm.

Gründung

In der Gründungsphase ist die Notwendigkeit von Kapital noch relativ gering. Vor allem kollektive Fähigkeiten sind entscheidend, weshalb externe Unterstützung häufig helfen kann, neue Impulse zu setzen und das eigene Geschäftsmodell zu evaluieren. Wissen und Erfahrung lässt sich in dieser Zeit durch nichts ersetzen.

Seed

In der Seed-Phase wird letztendlich der Markteintritt geplant. Dabei steht vor allem die Prototypenerstellung, Aufbau eines Teams und die Bezahlung von Entwicklungskosten im Vordergrund. In dieser Phase nimmt zwar der Finanzbedarf zu, gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit von Wissenstransfer seitens erfahrener Experten.

Series-A

Zu diesem Zeitpunkt ist das Geschäftsmodell relativ neu auf den Markt gekommen oder kurz vor dem Launch. Deshalb fallen vor allem hohe Kosten hinsichtlich des Marketings (Werbung, PR…) und des Vertriebs (Strukturen, Partner…) an.

Series-B

Wenn sich das eigene Geschäftskonzept am Markt etabliert hat und erste Umsätze abwirft, steht oftmals die Frage im Raum, ob eine Expansion (national oder international) sinnvoll ist. Um dieses Wachstum zu finanzieren sind sehr hohe Investitionen nötig.

Finanzierungsmöglichkeiten für Startups

Bootstrapping

Bootstrapping ist die klassische Finanzierungsmethode ohne Fremdkapital. Bereits viele renommierte Firmen wie Bosch haben sich über Bootstrapping finanziert und konnten sich so langfristig ihre Unabhängigkeit sichern, weil nur das eigene Geld in das organische Wachstum investiert wurde. Für Startup-Gründer bedeutet, dass man muss sich deshalb oftmals im alltäglichen Leben (Miete, Konsum, Versicherung…) beschränken und gut haushalten. Gleichzeitig geht damit ein höheres Risiko einher, weil Gründer im Falle des Verlusts uneingeschränkt mit dem eigenen Privatkapital haften. Im Rahmen einer digitalen Welt, die sich immer schneller verändert ist jedoch auch der Zeitfaktor ein wichtiger Aspekt, ohne externes Geld ist es schwer sich gegen die auftretende Konkurrenz durchzusetzen, die häufig über mehr Kapital verfügt. Ebenso leidet häufig die Effizienz der eigenen Unternehmung unter der Doppelbelastung einerseits sein Produkt zu etablieren und gleichzeitig seine Finanzen managen zu müssen. Deshalb sollte man Bootstrapping wählen, wenn man sich auf einem kleinen Nischenmarkt mit geringer Konkurrenz etablieren will.

Staatliche Zuschüsse

In Deutschland gibt es allerhand Möglichkeiten, staatliches Geld für die eigene Geschäftsidee zu akquirieren. Dabei sticht vor allem das Horizont2020-Programm hervor, welches sich gezielt an Startups richtet. Es besteht dabei die Möglichkeit Geld seitens HTGF, EXIST, IBB, LBB und diversen Förderfonds der Landesbanken zu erhalten. Der gravierendste Nachteil dieser Finanzierungsmethode besteht im langwierigen Bewerbungs- und Umsetzungsprozess. Einzelne Umsetzungsrunden können dabei gut und gerne 1 – 1,5 Jahre verschlingen, in denen man – aufgrund diverser Restriktionen – daran gehindert wird gleichzeitig andere Investoren zu suchen. Deshalb ist auch die Zahl der erfolgreichen Unternehmen, die aus solch einem Finanzierungsmodell entstanden sind verschwindend gering. Staatliche Zuschüsse sollten deshalb vor allem im wissenschaftlichen Forschungssektor genutzt werden, bei dem der Konkurrenzdruck kaum vorhanden ist.

Acceleratoren

Acceleratoren bieten den Zugang zu Netzwerken von erfahrenen Gründern, die vor allen Neuanfängern bei den ersten Schritten wertvolle Ratschläge geben können. Diese kurzfristigen (< halbes Jahr) ausgelegten Förderprogramme helfen vor allem in den Early Stages der Gründung. Normalerweise stellen sie den Gründern neben einer fünfstelligen Seed-Finanzierung, Büroflächen, Know-how und erste PR-Kanäle zur Verfügung. Im Gegenzug tritt man jedoch Unternehmensanteile respektive Mitspracherecht ab, was sich später als Nachteil herausstellen kann.

Inkubatoren

In Deutschland gibt es allein rund 500 solcher Gründerzentren mit breit gefächerten Themengebieten. Genau wie Acceleratoren bieten sie Jungunternehmern finanzielle Unterstützung und Expertise. Diese finanzielle Unterstützung fällt häufig jedoch höher aus, womit eine langfristige Überlebenschance garantiert werden soll. Man greift jedoch auf vorhandene Strukturen (Büro, Team…) zurück, so dass man oftmals in seiner Selbständigkeit beschränkt wird. Der Inkubator selbst erhält lediglich einen bestimmten Anteil am Unternehmen und somit Anteile an den zu erwartenden Erträgen.

Business Angels

Die Welt der Business-Angels kann sowohl Fluch als auch Segen darstellen. So gibt es einerseits Investoren, die einfach nur auf der Suche nach einem einfachen und lukrativen Weg sind, ihr Privatvermögen zu mehren ohne sich selbst einbringen zu wollen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch erfahrene BAs, die schon in mehrere Unternehmen investiert haben und sich dadurch tiefe Einblicke in die Businesswelt verschafft haben. Vor allem bei einem späteren Exit kann sich so mancher, einstiger Unterstützer als Hürde erweisen. Deshalb sollte man solche Themen rechtzeitig besprechen und nicht auf das erstbeste Angebot eingehen. Expertise ist nicht mit Geld aufzuwiegen.

Crowdinvesting bzw. Crowdfunding

Die Vorteile des Crowdfunding habe ich bereits in einem anderen Artikel explizit beschrieben. Die Finanzierung durch die Crowd (v.a. Crowdinvesting) beinhaltet aber auch diverse Nachteile. Durch die etwaige Aufsplittung in hunderte bis tausende Mikroinvestoren ergeben sich Hürden hinsichtlich Folgefinanzierungen und Probleme bei Exits. Deshalb sollte man langfristig planen und nicht nur auf das schnelle Geld pochen.

Venture-Capital

Für Startups, die sich am Markt etabliert haben, kann es sich lohnen, über Venture-Capital nachzudenken. Dabei geht es vor allem um Summen im sechsstelligen Betrag durch professionelle Investoren. Diese sind natürlich auch auf ihren eigenen Profit bedacht, weshalb sie einen nicht nur fördern, sondern auch fordern. Sie wollen einerseits Top-Leistungen sehen, gleichzeitig tritt aber auch ein Multiplikatoreffekt hinsichtlich der Unterstützung ein. Ohne diese Finanzierungsart hätten es viele derzeit etablierte Unternehmen wie Lieferheld, Mister Spex, Apple, Facebook oder Google nicht geschafft.

Von | 2017-02-08T13:54:47+00:00 30. März 2016|Finanzen, Selbständigkeit|

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